| Warum gerade am Schneeberg und nicht auch andernorts? Warum im Altkristallin und nicht in den umgebenden Gesteinen? Wie alt sind die Erze, wo kommen sie her? Gibt es noch mehr in größerer Tiefe oder etwa westlich oder östlich von diesem Fundort? Fragen, die für ein Bergwerk von lebenswichtiger Bedeutung sind und die Generationen von Knappen, Markscheidern und Wissenschaftlern beschäftigt haben. Fragen aber auch, die nicht endgültig beantwortet werden können, sondern für die es allenfalls eine schlüssige Indizienkette von geologischen Beobachtungen und Messungen gibt. Die Blei-Zink-Vererzungen vom Schneeberg sind nicht die einzigen, die im Ötztal-Stubai-Altkristallin vorkommen. Es gibt ähnliche Vorkommen bei Tösens im Oberinntal und bei Annaberg oberhalb von Goldrain im Vinschgau, die zeitweise auch abgebaut wurden. Das Erzrevier am Schneeberg war jedoch bei weitem das ergiebigste. Geländebeobachtungen am Schneeberg, aber auch im Pflerscher Revier, haben gezeigt, dass die Vererzungen immer mehr oder weniger parallel zur Schieferung und zum mineralogischen Lagenbau der Nebengesteine (konkordant) auftreten. Die Schieferung wie auch die Erzlager verlaufen (streichen) etwa ONO-WSW und tauchen mit etwa 30° bis 35° nach Norden ab. Es sind im wesentlichen zwei parallele, erzführende Bereiche, die abgebaut wurden und von den Knappen Hangendgang (der obenliegende Gang) und Liegendgang (der untenliegende Gang) genannt wurden. Das sogenannte Kreuztrum ist ein weiterer Gang, der die beiden Lager mit geringem Winkel kreuzt bzw. verbindet. Alle zeigen eine stark schwankende Dicke (Mächtigkeit) zwischen 1 und 6 m und extrem variierende Erzgehalte. Die Erzlager verlaufen jedoch nicht kontinuierlich, sondern sind häufig abgesetzt durch tektonische Versetzungen einzelner Gesteinsschollen im Ausmaß von wenigen cm bis zu 70 m. Schon den mittelalterlichen Knappen war jedoch aufgefallen, dass die Gänge immer in der Nähe von Granitgneisbändern auftraten und dass die Vererzungen im Bereich von dunkelgrau schwarzen Graphitschiefern - wie sie z.B. an der Schneebergscharte auftreten - besonders reich waren. All diese Beobachtungen im direkten Vergleich mit Erzbildungsprozessen, die heute am Meeresboden ablaufen - vielfach gefilmt und dokumentiert - aber auch Experimente haben dazu geführt, dass heute die meisten Geologen ein ähnliches Bild über die Entstehung der Lagerstätte Schneeberg haben: Die Blei-Zink-Anreicherungen vom Schneeberg entstanden vor über 500 Mio. Jahren an einem | Meeresboden zugleich mit den tonig sandigen Sedimenten, die sie umgeben. So wie wir es heute an diversen Orten des Ozeanbodens beobachten können, wurden damals feine Erzschlämme am Meeresboden ausgefällt. Ob die Ausfällung vorwiegend durch anorganische Prozesse erfolgte, oder ob Bakterien daran beteiligt waren, lässt sich nicht mehr nachweisen. Die hohe Sulfidkonzentration im Bereich der graphitführenden Sedimente spricht dafür, dass die Anreicherung der Sulfide bevorzugt in einem Faulschlammmilieu unter Sauerstoffabschluss erfolgte. Ob die ehemals sauren vulkanischen Gesteine, die heute unter und über den Erzlagern liegen, in direktem Zusammenhang mit den Erzanreicherungen stehen oder nur für den Zustrom heißer Lösungen sorgten, der zu einer Mobilisation der Erze führte, ist nicht geklärt. Fest steht, dass die anfänglich schlammigen Sedimente durch weitere Ablagerungen zunächst zu Sedimentgesteinen verfestigt wurden. Durch einen enormen Druck- und Temperaturanstieg (über 550° C und 6000 bar) während der variskischen Gebirgsbildung vor 300 bis 360 Mio. Jahren wurden die Sedimentgesteine intensiv verfaltet und geschiefert und so zu Glimmerschiefern, Paragneisen und Graphitschiefern umgewandelt; die Erzschlämme rekristallisierten und wurden so in wenigen Lagen konzentriert. Das heutige Bild der Lagerstätte entstand vor 80 bis 100 Mio. Jahren während der alpidischen Gebirgsbildung. Dabei wurden die Gesteine erneut hohen Drücken und Temperaturen ausgesetzt (wieder über 550°C und 6000 bar), noch einmal verfaltet und geschiefert. Die Erzlager wurden gefaltet und deformiert, die Erze durch Lösungen mobilisiert und es bildeten sich neue Erzminerale. Auch die Umgebung der Erzlager wandelte sich um, und neue Minerale kristallisierten: es entstanden grobkörnige Muskovit-Quarz-Schiefer mit hohem Feldspatgehalt. Im unmittelbaren Bereich um die Erze entstand die von den Geologen so genannte Filonefazies, bestehend aus grobkristallinen schwarzen Biotitblasten-Schiefern, die reichlich Granat und Karbonat führen und wirrstrahligen, häufig auch radialstrahligen Tremolit- und Anthophyllit-Felsen. Auch eine Neubildung von Granat und Albit ist zu beobachten. ln einer späten Phase der Gebirgsbildung wurde die Gesteinsserie durch spröde Bruchtektonik zerlegt, was zu den bereits beschriebenen Versetzungen der Erzlager und damit zu erheblichen Problemen beim Abbau und vor allem bei der Auffindung neuer Erzlager führte. |
| Die beiden Haupterzminerale Zinkblende und Bleiglanz sind einfach zusammengesetzte Sulfide. Der Bleiglanz zeigt alle charakteristischen Eigenschaften der Sulfide: hohe Dichte von 7.6, geringe Härte von ca. 3 und im frischen Bruch einen unverwechselbaren, stark silbrigen Metallglanz auf den Spaltflächen, der jedoch an der Luft bald matt und dunkel wird. Er tritt in der Lagerstätte meist derb auf und nur selten wurden schöne Kristalle gefunden. Die Zinkblende des Schneebergs hat hohe Eisengehalte, was neben einem hohen Cadmiumgehalt (bis 4,5%) typisch für solche hochtemperierten Entstehungsbedingungen ist. Der Eisengehalt verleiht der Zinkblende einen dunklen, fast schwarzen, oft leicht rötlichen Glanz auf den meist kleinen Spaltflächen. Nicht selten läuft die Zinkblende an der Luft bunt - der Knappe sagt taubenhalsig - an und ist dann unverwechselbar. Die Geologen nennen die Lagerstätte Schneeberg eine typische polymetallische Pb-Zn-Erzanreicherung.Was damit gemeint ist, wird sofort klar, wenn man ein Buch über die Mineralien des Schneebergs in die Hand nimmt. | Neben den Hauptmineralien Zinkblende (Zinksulfid, ZnS) und Bleiglanz (Bleisulfid, PbS), nach denen hier hauptsächlich geschürft wurde, gibt es eine Unmenge von weiteren Erzmineralen wie Magnetkies, Kupferkies, Pyrit, Arsenkies, Kobaltglanz, Fahlerz, Bournonit, Meneghinit, Magnetit, Gahnit, Antimonit, ja sogar gediegen Silber, um nur einige zu nennen. Dazu kommt eine große Zahl von sogenannten Gangartmineralien, wie Siderit, Ankerit, Tremolit, Anthophyllit, Biotit, Granat, Chlorit, Quarz, Kalzit..., die als Erzbegleiter auftreten. Neben diesen primären Erz- und Gangartmineralen gibt es noch eine Unzahl sekundärer Minerale, die durch Umwandlung und Verwitterung der primären Minerale entstehen, wie Hydrozinkit, Greenokit, Malachit, Azurit, Sepiolith, Schneebergit..., um nur einige zu nennen. Im Ganzen sind es weit über hundert Mineralien, die am Schneeberg gefunden und eindeutig bestimmt wurden und noch ist kein Ende abzusehen... |
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